Into the Odd

“Into the Odd”, ein Rollenspielsystem mit absichtlich unscharfer, ungefähr früh-industrieller Hintergrundwelt, in der Fabriken und Landwirtschaft, Schwerter und Gewehre, Magie und Technik, vor allem aber Reich und Arm zusammenprallen. Die Hintergrundwelt wird im Nachfolgesystem “Electric Bastionland” konkreter, bleibt aber voller Lücken und weißer Stellen auf der Landkarte, um sicherzustellen, dass die Spielrunden frei und kreativ bleiben, statt in Regelwerken zu blättern und über Auslegungen zu diskutieren. Frei und kreativ ist der Grundsatz in allen Aspekten, gleich ob bei Monster Stats, Waffen oder Geographie.

“Into the Odd” verwendet die typischen DnD-Würfel von D4 bis D20 und lässt sich rasch auf andere Spielwelten und Hintergründe anwenden und ist ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliches und attraktives System.

Schnell und kreativ

Zum Ersten ist ein Charakter schnell erstellt: Es gibt nur drei Attribute, nämlich STR, DEX und WILlenskraft (jeweils 3d6) sowie 1d6 Hit Points. Eine Tabelle gibt anhand der Hit Points und des höchsten Attributswerts Auskunft über die zu Anfang mitgeführten Gegenstände. Klassen oder Rassen gibt es nicht – der Charakter besteht im Grunde nur aus diesen Attributen und den Gegenständen.

Zweitens: Besitz ist das Zentralmotiv des Spiels. Wir gehen ganz einfach davon aus, dass es um Schatzsuche geht. Gold, Ausrüstung und magische Gegenstände zu finden wird als die Motivation aller Spielercharaktere vorausgesetzt. Gefundene Ausrüstung verändert massiv die Optionen im Spiel, und der Wunsch, einen bestimmten Ausrüstungsgegenstand zu erwerben oder, ahem, “erwerben”, kann zu einer mächtigen Triebfeder werden.

Kurz: Die Ausrüstung, gleich ob Start-Equipment oder gefundene Gegenstände, entscheidet nach dem Einfallsreichtum der Spieler am stärksten darüber, was ein Charakter machen kann. Waffen, Werkzeug, diverse Prothesen oder “Arcana”, also “magische” oder zumindest rätselhafte Gegenstände können zur kreativen Problemlösung eingesetzt werden.

equipment_odd

OSR

Apropos Kreative Problemlösung und Ressourcen vor Fertigkeiten oder Wissen – “Into the Odd” ist trotz seiner innovativen, neuen Ansätze ein OSR-Spiel, “Old School Renaissance”, mit dem Grundsatz: “Die Antwort steht nicht auf dem Charakterblatt.”

Drittens: Die sogenannten “Auto-Hits”. Das Kampfsystem von “Into the Odd” ist eine besondere Konstruktion. Es gibt keine aktive Verteidigung. Wer einen anderen angreift, würfelt direkt Schaden. Wird dieser Schaden von den Hit Points aufgesaugt, gilt das als Fehlschuss. Übersteigt der Schaden die Hit Points, wird der Schaden direkt von der Stärke abgezogen. Erreicht die Stärke Null, ist der Charakter tot.

“Tödlich”, aber nicht tödlich

Ein “deadly system” also, wo oft ein einziger Schuss reicht, um einen Charakter auf die Bretter zu schicken. So schnell, wie das klingt, wird trotzdem nicht gestorben, denn Charaktere gehen eher K.O. als in die ewigen Jagdgründe ein. Selbst wenn nur ein einziger STR-Punkt abgezogen wird, muss der nun herabgesetzte STR-Wert mit einem d20 unterwürfelt werden, um auf den Beinen zu bleiben. Gelingt dies nicht – und je schwerer die Verletzung, desto kniffliger der Wurf – dann ist der Charakter raus und muss von seinen Freunden gerettet werden, um nicht im Laufe der nächsten Stunde auszubluten.

Ein Kampf ist also sehr schnell vorbei (und bewusst sehr abstrakt gehalten, ohne spezielle Taktiken, Boni oder Moves), geht aber auch sehr oft ganz ohne Todesopfer ab. Beim Spiel mit jüngeren Teilnehmern ist es theoretisch sehr einfach, auch nach einem TPK die ganze Runde am Leben zu erhalten, indem die siegreichen Gegner die zahlreichen ausgeknockten Charaktere aufsammeln und stabilisieren. (Tatsächlich hat dies in einem Testspiel eine Runde von Spielercharakteren mit den besiegten NPCs gemacht!)

Bewusstlos dazuliegen und auf die Hilfe von Freunden angewiesen zu sein ist natürlich auch keine angenehme Vorstellung – entsprechend geht das Spiel davon aus, dass “Gegner” nicht automatisch zu Gewalt greifen wollen. Jedes Gegenüber hat Wünsche und Bedürfnisse, und so kommen wir wieder zurück zu “kreative Problemlösung”, dem Zentralbaustein der OSR-Idee.

Blog Support

Das Regelwerk von “Into the Odd” wurde als “Electric Bastionland” weiterentwickelt und wird immer noch weiterentwickelt. Die Genese des neuen “Electric Bastionland 2.0” lässt sich im Blog “Bastionland” des System-Erfinders Chris McDowall mitverfolgen.

Die Lektüre dieses Blogs empfiehlt sich ganz generell auch system-agnostisch, da dort regelmäßig sehr gute Ideen diskutiert werden, von denen auch ganz klassische Spielrunden profitieren können.

Zu finden auf DrivethruRPG

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